Reisescizzen und Tagebuchblätter aus Deutsch-Ostafrika by Freiin von Frieda Bülow

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Bülow, Frieda, Freiin von, 1857-1909 Bülow, Frieda, Freiin von, 1857-1909
German
Hey, have you ever wondered what it was really like to be a German settler in East Africa in the 1890s? This book is a raw, unfiltered look. It's not a polished history book—it's the personal diary and sketches of Frieda von Bülow, a woman who was right in the middle of it all. She writes about everything: the strange beauty of the landscape, the daily struggles, and the deeply uncomfortable reality of colonial life. It feels less like reading history and more like peeking over someone's shoulder as they live it. If you want to understand that era from a ground-level view, with all its complexity and contradictions, this is a fascinating and challenging place to start.
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hatten indessen bis zur Abfahrtszeit noch eine oder zwei Stunden zu warten. Sowie das Schiff still lag, kamen zahlreiche Aegypter an Bord, um uns ihre Dienste anzubieten, oder Waren feil zu halten. Ihr Mienenspiel und ihr gebrochenes Englisch erschienen mir überaus komisch. Einem englischen Oberst, der nach Indien reiste, fiel es ein, Volksreden zu halten. Damit schien er den Geschmack des braunen Auditoriums getroffen zu haben. Sie scharten sich um den Redner, lauschten seinen Worten mit Aufmerksamkeit und waren mit pfiffigen Gegenbemerkungen stets bei der Hand. Der würdige Oberst, ein vornehm und selbstbewußt dreinschauender alter Herr, sagte diesem »süßen Pöbel« übrigens keine Schmeicheleien. Er schalt sie vielmehr mit einer eines Bußpredigers würdigen Aufrichtigkeit aus wegen ihres Verhaltens gegen die Europäer während des letzten Aufstandes. Der Rede kurzer Sinn war ungefähr: »Ihr miserablen Kerls, schämt Ihr euch nicht, den Europäern das Geld abzunehmen und uns wie Fliegen zu umschwärmen, so lang ihr glaubt, noch etwas aus uns herausziehen zu können, und dann, wenn dieselben Europäer, denen Ihr Euren Lebensunterhalt verdankt, vor Euren Augen bedrängt werden, sie nicht mehr kennen zu wollen! Ihr nichtsnutzige Bande! Hat auch nur einer unter Euch Hand oder Fuß gerührt, um Euren Wohlthätern zu helfen?!« -- Der Oberst redete im Tone gerechtester Entrüstung und sparte nicht mit dem »~for shame~!« Seine Zuhörer, die von Zeit zu Zeit sehr intelligente Einwände laut werden ließen, lauschten im übrigen mit behaglichem Lächeln. Es war eine Scene, die in ihrer drastischen Komik einerseits, anderseits durch den historischen Ernst, den große Ereignisse wie einen Schatten darüber warfen, Shakespeare'schen Dramen entstiegen schien und zu mancherlei Betrachtungen Veranlassung gab. Wir fuhren nun 12 Stunden lang per Schnellzug durch die Wüste, gegen deren gelben Sand wir uns vergeblich mittelst blauer Brillen und Tücher zu schützen suchten. In Suez angelangt, wurden wir bei sternenklarer Nacht auf einem Schlepper nach der weit außen liegenden »Malva« befördert. -- Das rothe Meer, in das wir am folgenden Tag gelangten, zeichnet sich, wie bekannt, durch eine Hitze aus, die nur noch von der Temperatur des persischen Meerbusens übertroffen werden soll. Die Herren suchten nachts auf dem Verdeck etwas Schlaf zu finden, die Damen auf der Tafel unter den »~Sky lights~«. Meine Gefährtin und ich hielten es in der Cabine aus und waren dabei doch die Einzigen, die schlafen konnten. -- Ich habe auf dieser Reise übrigens die Engländer von der liebenswürdigsten Seite kennen gelernt. Unter den Passagieren befand sich ein Oberst, -- nicht der Volksredner, -- der ein und ein halbes Jahr als Gefangener des Königs von Abessynien in Ketten gelegen hatte. Dieser war auch vor Jahren einmal »~political agent~« in Zanzibar gewesen, hatte aber die Insel nicht in guter Erinnerung. Er beklagte mich meines Reiseziels halber und riet mir sofort und täglich Chinin zu nehmen. »~Zanzibar is a sad place~,« meinte er, »~it has such a _churchyardy_ feeling about it~.« Ein anderer Herr, von dem man mir sagte, er sei einer der ersten Rechtsanwälte in Bombay, wurde mir von den Officieren als »~a radical man~« bezeichnet. Die Dispute dieses Radikalen mit jenen, die äußerst loyal und conservativ gesinnt waren, amüsierten mich nicht wenig. Mir gegenüber liebte es der Radikale, Parallelen zwischen der deutschen und der englischen Nation zu ziehen und entwickelte dabei Ansichten, die mir bei einem Engländer neu waren. Er beklagte ernstlich, daß seine Landsleute an einem Uebermaß von Nationalgefühl krankten, welches schon mehr in verbohrte Beschränktheit ausgeartet sei. Engländer seien um kein Haar besser als irgend ein anderes Volk, vielmehr die menschlichen Fehler und Vorzüge überall die nämlichen. Ein vernünftiger Mensch müsse Kosmopolit sein, u. s. w. Eines Abends zeigte mir der Oberst, der den Männern von...

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This book isn't a novel with a plot; it's a collection of diary entries and travel sketches from Frieda von Bülow's time in German East Africa (modern-day Tanzania, Rwanda, Burundi) in the late 19th century. She was part of the colonial settlement movement, and her writings capture the day-to-day life of that endeavor.

The Story

Think of it as a time capsule. One page might describe the arduous process of building a farmhouse in the bush, the next a vivid account of a local market or a tense interaction. She writes about the landscape, the climate that Europeans found so difficult, and her observations of the people already living there. The "story" is the unfolding reality of colonialism from the perspective of someone who believed in the German colonial project but was also a sharp observer of its flaws and hardships.

Why You Should Read It

I found this book gripping because of its honesty. It doesn't try to sell you a grand adventure or a noble mission. You get the mosquitoes, the loneliness, the cultural misunderstandings, and the sheer physical difficulty. You also see the author's own biases and worldview laid bare, which is just as important as the events she describes. It's a primary source that lets you draw your own conclusions, which is powerful and sometimes unsettling.

Final Verdict

This is perfect for readers who love real historical diaries and want to move beyond textbook summaries. It's for anyone interested in colonial history, travel writing, or complex female perspectives from the past. Be ready: it's not an easy, feel-good read. It's a piece of the past that asks you to think critically about everything on the page.



🟢 Legacy Content

This historical work is free of copyright protections. It serves as a testament to our shared literary heritage.

James Young
3 months ago

The fonts used are very comfortable for long reading sessions.

5
5 out of 5 (1 User reviews )

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