Ein Buch, das gern ein Volksbuch werden möchte by Marie von Ebner-Eschenbach

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Ebner-Eschenbach, Marie von, 1830-1916 Ebner-Eschenbach, Marie von, 1830-1916
German
Have you ever met someone who desperately wants to belong? This book is about exactly that feeling, but for a story itself. Published in 1887, it's a unique and charming idea: a book that wants to be loved by ordinary people, not just scholars. The main character is the book itself, and its conflict is with its own stuffy, old-fashioned style that keeps readers away. It's a funny and surprisingly moving plea from the pages, asking us to give it a chance to become a true 'people's book.' Think of it as a meta-story about finding your audience, written over a century before that was a common theme.
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Welt aus, und wie wenn seine Welt klein war, so waren seine Ziele nahe. Das erste und am schwersten Errungene bestand in dem Ersparnisse so vieler Gulden, daß er und die alte Frau nicht sofort verhungern mußten, wenn ein unvorhergesehenes Unglück seine Tätigkeit für einige Zeit lähmen sollte. Als er es erreicht hatte, da fühlte er sich als Kapitalist und tröstete die Großmutter bei ihrer allmorgendlichen Klage mit den Worten: »Lebe du nur ruhig fort, jetzt kann uns nicht so leicht mehr etwas geschehen.« Sein rastloser Fleiß verminderte sich nach dem ersten Erfolge nicht, er wuchs vielmehr mit der Kraft dessen, der ihn anwandte. Nathanael wurde ein starker Mann; seine kreuzspinnenartigen Extremitäten kräftigten sich zu muskulösen Armen und Beinen, die Brust wurde breit, die Gestalt bekam etwas Reckenhaftes trotz ihrer Magerkeit. Sein Auftreten war so sicher, sein Blick ruhig und klar, seine Rede so bestimmt, daß schon seine ersten Patienten -- gar kleine Leute -- meinten: »Das ist ein gescheiter Herr Doktor!« Seine grüne Jugend sah ihm niemand an; er hatte sich zu lange in Gesellschaft der Sorge befunden, und wenn er sie auch bändigte und unterwarf, -- daß sie heimlich an ihm zu nagen fortfuhr, konnte er nicht verhindern. Allmählich kam er in Besitz eines Rufes, eines bescheidenen, aber eines guten, und dem verdankte er es auch, daß er mit dreißig Jahren schon, von Amts wegen, als Physikus nach einem der westlichen Kreise versetzt wurde. Ein sicheres Brot von nun an, ein reichliches sogar nach Nathanaels Begriffen. Er hätte bei der Einrichtung seiner Wohnung auf dem Ring der Kreishauptstadt nicht so ängstlich zu knickern gebraucht, aber er fürchtete, übermütig zu werden, wie die meisten Armen, wenn sie plötzlich zu Geld kommen, und gab den Handwerkern wenig zu verdienen. Immer des Wortes eingedenk: »Die Axt im Hause erspart den Zimmermann«, schaffte er allerlei Werkzeuge an und ließ sich's nicht verdrießen, den Tischler und den Schlosser gleichfalls zu ersparen. Und wenn es auch wirklich ein Graus war, wie die Sachen aussahen, den Doktor beirrte das nicht; der Schönheitssinn war bei ihm entweder nicht vorhanden oder nicht ausgebildet. Als die Großmutter, steinalt und unbeweglich, ihre Stube nicht mehr zu verlassen vermochte, sich aber doch noch herzlich sehnte nach dem Anblick einer grünen Staude, einer blühenden Blume, da wurde der Herr Doktor ein Gärtner, und bald sahen die Fenster seiner Wohnung aus wie die eines Treibhauses. Die Greisin litt manchmal an Rückfällen in ihre ehemalige Schwachherzigkeit, doch äußerte sich diese jetzt in andrer Weise. »Wenn ich nur nicht zu früh sterbe,« sagte die Neunzigjährige. »Ein Begräbnis ist gar zu kostspielig!« Nathanael tröstete sie liebreich: »Stirb ja nicht, Großmutter, du würdest mich um den Lohn aller Mühen betrügen, die ich um deinetwillen gehabt habe.« Der Besitz Nathanaels mehrte sich im Schranke, die Lust am Besitze stieg und stieg. Pläne, deren Verwirklichung dem klugen Manne in seiner Jugend als bare Unmöglichkeit erschienen wären, erwog er nun mit der Zuversicht bevorstehender Erfüllung. Seine ärztliche Praxis war ausgedehnt und einträglich. Nach allen Schlössern der Umgebung berief man ihn. Der trockene, wortkarge Doktor Rosenzweig, der keinen Widerspruch duldete, der nie eine Schmeichelei über die Lippen brachte, wurde der Vertrauensmann der Edelleute und, was viel merkwürdiger war, das Orakel ihrer liebenswürdigen und feinen Damen und der Freund ihrer Kinder. »-- Der Kleine ist schwer krank, aber -- Rosenzweig behandelt ihn.« -- »Den ganzen Tag habe ich in Todesangst um mein Töchterlein zugebracht -- aber jetzt ist Rosenzweig gekommen.« Wenn nur Rosenzweig da war, so war Hilfe da, und blieb sie einmal aus, dann hatte Gott eben nicht gewollt, daß ein Mensch sie bringe. Unter keinen Umständen erwies man sich...

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Let's be clear: this isn't a novel in the way you might expect. The 'story' here is the book's own internal monologue. It sits on a shelf, observing real people—farmers, craftsmen, families—and yearns to be read by them. It listens to their conversations and realizes its own formal, ornate language is a barrier. The central 'plot' is the book's struggle to understand what makes a story connect with everyday life, wrestling with its own nature while watching simpler tales get all the love.

Why You Should Read It

It’s a shockingly modern concept wrapped in a 19th-century package. Ebner-Eschenbach, through this clever device, explores big questions about art, accessibility, and popularity. Is a book successful if it's only admired by critics? What does it mean to truly speak to people? I found myself rooting for this anxious, hopeful book-character. It’s a short read, but it makes you think about every other book on your shelf and who it was really written for.

Final Verdict

Perfect for readers who enjoy clever, philosophical fiction or anyone curious about older literature that feels unexpectedly fresh. It’s not a page-turning thriller, but a quiet, thoughtful conversation starter. If you’ve ever felt like an outsider or created something hoping it would resonate, you’ll see a bit of yourself in these pages—even if the pages themselves are the ones talking.



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The copyright for this book has expired, making it public property. Enjoy reading and sharing without restrictions.

Melissa Thomas
1 year ago

I have to admit, the flow of the text seems very fluid. I couldn't put it down.

Mary Smith
1 year ago

Surprisingly enough, the clarity of the writing makes this accessible. Exactly what I needed.

Amanda Davis
1 year ago

I started reading out of curiosity and the clarity of the writing makes this accessible. Highly recommended.

Ethan Garcia
1 year ago

High quality edition, very readable.

Liam Hill
6 months ago

Used this for my thesis, incredibly useful.

4.5
4.5 out of 5 (5 User reviews )

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